Spirit Guides in Georgien
Nachdem ich nach 2 Jahren Bali wieder in Deutschland bei meinen Eltern gelandet bin, begann ich die psychologische Astrologie zu studieren. All die neuen Erkenntnisse über mich selbst haben mir in diesem Moment Kraft geschenkt, denn ich fühlte mich zurück in meiner alten Heimat wie ein Alien. Komplett verändert, doch irgendwie noch gleich & umgeben von dem & denjenigen, die mich noch anders kannten. Ich war lost, broke, hatte überhaupt keinen Sinn für Grenzen & wenig Körpergefühl.
Das Studium durch mein eigenes Horoskop führte mich jedoch nach Georgien. Zum einen, weil meine Mondknoten-Linie (Seelenwachstum) hier hindurch lief & zum anderen, weil dort gerade meine Schwester mit ihrer Familie wohnte, mit denen ich gemeinsam nach Bali gestartet bin.
Ich spürte durch mein Horoskop "ja, hey endlich, irgendwie mal einen Plan für mich, etwas, dass mich führt, etwas, dass sich richtig & auch nach mir anfühlt". Ich spürte, ich will Community erleben & es ist Teil meines Weges neue Orte & Lebensphilosophien kennenzulernen. Somit gepackt mit Rucksack & 3 (!!) Koffern, machte ich mich auf den Weg. Die 3 Koffer waren nicht für mich, sondern für meine Schwester & Equipment, dass sie aus Deutschland brauchten.
Ich will gar nicht so tief in die Community eintauchen, sondern nur einen kleinen Einblick geben, damit du verstehst, welcher Vibe dort war. Noch vor nicht so langer Zeit hatte der Ukraine Krieg begonnen, was viele Russen & Ukrainer nach Georgien führte, da hier viele Menschen russisch sprechen können, das Land & die Sitten auch sehr verwandt sind & jungen Menschen eine Möglichkeit für ein neues Leben gab, fernab von den Konflikten in der Heimat. Ich hatte den Vorteil, dass ich auch russisch sprechen kann & somit konnte ich mich relativ schnell vernetzen.
Ich lebte in der Community in einem Dorf, östlich von Tiflis, wo Landleben so richtig Landleben ist. Mit Kühen, Schweinen & Pferden, die auf freien Wiesen leben oder sogar auf Straßen laufen, wo Elektrizität mal für einen ganzen Tag ausfällt, die Rohre vereisen & kein fließendes Wasser mehr geben... Ich liebte es. Ich fühlte mich tiefer mit der Natur verbunden, betrat den Wald & fühlte mich hier an diesem Ort wie Zuhause. Ich selbst übernachtete mit 3 weiteren Volunteers in einem Haus, etwa 15 Minuten Gehweg entfernt von der Community. Hier teilten wir uns ein Zimmer, sowie eine warme Dusche im Innern & einen kleinen Raum. Das Klo war draußen in einer Holzhütte aka Plumpsklo. Es gab schon einige eisige Nächte in denen ich dringend aufs Klo musste & einfach ins Gras pisste, weil alles andere zu weit oder kalt war.
In der Community selbst war die Stimmung nicht so prächtig, da viele der Volunteers nicht zufrieden mit den Founders dieses Ortes waren. Ich war nur super happy & dankbar hier zu sein, weil ich wusste, dass dies nur eine Erfahrung ist. Generell wurde jedoch klar gesagt, dass spirituelle Konzepte hier nicht erwünscht sind & auch nicht in Events ausgelebt werden sollen. Das hat mich natürlich ein bisschen abgeschreckt, genauso wie das Fleisch auf dem Buffet, nachdem ich in der Anzeige online "vegan" gelesen habe. Jedoch findet man überall seine Leute wenn man will oder? Und somit war ich nicht die einzige, die sich für Spiritualität bzw. Achtsamkeit & Magie interessierte.
Kommen wir jetzt zum eigentlichen Teil der Story: Im Bücherschrank der Community gab es hauptsächlich russische Literatur oder sehr schwer lesbare Bücher... bis auf Eines... ich fand es random hier, ein weißes Buch mit goldener Aufschrift: "Spirit Guides". Ich war überrascht, so etwas hier zu finden & fing direkt an zu lesen. In diesem Buch gab es ein Quiz, anhand dessen du am Ende herausfinden konntest, wer Teil deines Spirit Teams ist. Zum Beispiel aufgestiegene Meister, wie in meinem Fall, wie Jesus, Lady Nada, Buddha, Mutter Maria und andere. In diesem Buch gab es eine genaue Anleitung zu einem Ritual, wie du in den Kontakt mit deinem persönlichen Spirit Guide treten kannst. An meinem freien Tag hatte ich das Volunteer-Haus komplett für mich & bereitete mein Ritual vor: man brauchte für jede Himmelsrichtung eine bestimmte Farbe. Da ich sehr minimalistisch gepackt hatte, durfte ich hier ein bisschen kreativ werden. Ich selbst saß dann in der Mitte, machte eine bestimmte Meditation & lud dann in meinen Raum ein.
Ich erinnere mich noch, wie abgefahren diese Erfahrung war, wie ich spürte, dass jemand in meinen Raum trat, wie ich Bilder empfang. Und dann ging es richtig tief in meinen Körper hinein, es war als hätte ich Messer in mir stecken gehabt, die herausgezogen wurden. Schmerzpunkte aus Bali zeigten sich, eine Beziehung, die mir wehtat, alles wurde sichtbar & ich begann in Lichtsprache zu sprechen. Ich fing an laut zu sprechen, mit geschlossenen Augen irgendwie Töne von mir zu geben, die zuerst ganz tief klangen, so als würde ich in meinem unteren Bereich meines Körpers mich selbst reinigen. Je klarer ich mich fühlte, desto höher wurde meine Stimme bis sie ganz oben über meinem Kopf schwang. Dann war es vollendet & ich fing an zu singen.
Ich bedankte mich für das Ritual & schloss den Raum wieder. Ich war geflasht: was war gerade passiert? wer ist mir da begegnet? habe ich mich gerade geheilt? Ich war voller Euphorie & wollte diese Praktik unbedingt wiederholen. Jedoch gelang mir sowas danach nicht mehr, jedenfalls nicht in Georgien.
Du musst dir vorstellen, in einem Dorf finde ich "zufällig" dieses Buch & sitze auf dem Boden eines alten Hauses & erlebe eine so kraftvolle Begegnung. Das zeigt mir immer wieder, dass es nie ein "Zufall" gibt, dass alles genau nach einem ganz bestimmten System verläuft.
Es war eine Art Befreiung, dass ich mir erlaubt habe, Lichtsprache zu sprechen, meine Stimme zu hören, meinen Schmerz zu fühlen, mich auszudrücken mit dem, was in mir war & das ganze zu verwandeln.
Georgien selbst fühlte sich für mich wie ein reines karmisches Wiedersehen an. Jeder Gast, der die Community betrat, fühlte sich für mich wie eine bekannte Person an. Es war auch, als könnte ich wirklich den Menschen um mich herum vertrauen. Ich fühlte mich getragen & gleichzeitig auch sehr herausgefordert.
Nachdem ich dann auch genug von dieser Community hatte, wohnte ich für ein paar Wochen in der Stadt in einer kleinen Wohnung mit 2 jungen Männern, die ich auch von dort kannte. Mit einem hatte ich eine Romanze, die mich so vieles lehrte & mich tief berührte. Dieser Mann berührte mich niemals ohne meine Einwilligung. Ich erinnere mich noch, wie ich auf dem Sofa im Community Haus lag, erzählte & er neben mir kniete, mich anblickte und fragte: "Can I kiss you?". Ich war überrascht über diese Frage, über seine Ehrlichkeit, über seine Haltung gegenüber mir. Dass er nicht einfach drauf los ging, sondern fragte. Ich lernte das erste Mal Snowboard fahren & durfte mit dem Schneemobil herumfahren, hatte kurz das Gefühl, ich werde gerade entführt & war dennoch super stolz auf mich, dass ich mich getraut habe.
Naja, nachdem mir das Stadtleben auch zu Kopf stieg, entschied ich mich zurück ins selbe Dorf zu fahren & dort auf einem Land mit einem Freund zu leben. Als er erfuhr, dass ich die Community verlasse, war er traurig & geschockt, weil er mich einladen wollte, dass wir gemeinsam ein Silent Retreat auf seinem Land eröffnen. So kam ich dort hin, begann gerade zu bluten, und lebte in einem Zelt, dass von einem Paar gebaut wurde. Es war aus Fell & Beton gebaut, hatte einen kleinen Ofen im Innern & genügend Raum für Taro, mein kleiner Wegbegleiter in dieser Zeit & mich. Er war der kleine Hund von meinem Freund Komai, der mich seit Tag 1 überall hin begleitete & immer mit mir unter der Decke schlief. Ich liebe ihn.
Komai selbst lebte in seinem transformierten Container auf dem Land, wo wir auf der Gasflasche kochten. Es gab hier keinen Strom & kein fließendes Wasser. Bedeutet, wir mussten runter zum Fluss laufen & dort Wasser zum Duschen & Kochen sammeln. Ich durfte dann glücklicherweise manchmal das Volunteerhaus benutzen um warm zu Duschen & Strom zu benutzen. Meine Zeit dort war erholsam, aber ich fühlte mich auch rastlos. Ich liebte die Natur, mein Gott, die allerschönste Natur, Berge, Tiere & Möglichkeiten sich frei zu bewegen. Sie gab mir so viel. Ich konnte jedoch nicht lange entspannen, ich hatte gerade einen Job als Übersetzerin angenommen, indem ich eine Bitcoin Website komplett auf Deutsch übersetzen musste. Sobald ich genügend Geld hatte, buchte ich mir einen Flug zurück nach Deutschland.
Es war ein "einfaches" Leben, dass doch sehr intensiv war, vor allem im Winter war es eisig kalt & herausfordernd. Es hat mich jedoch wirklich tief geprägt auf eine Weise, die sich wie Zuhause angefühlt hatte. Aber viel mehr wie Familie, die ich aus einem anderen Leben kannte. Ich genoss die Aufmerksamkeit der Menschen, die Geschenke & Einladungen, die ich auch empfangen durfte, einfach nur weil ich "Sein durfte". Vielleicht lag es daran, weil ich dort Januar bis März verbrachte, vielleicht war es auch einfach Fügung & vielleicht war es auch einfach nur das Leben selbst.
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